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Heute haben wir einen ruhigeren Tag vor uns, zumindest weniger Kilometer. Nach einem gemütlichen Frühstück fahren wir gen Osten in Richtung Khaudum Nationalpark, der aber noch eine ganze Ecke weiter östlich liegt, aber die typische Landschaft ist hier bereits gut erkennbar. 

Der Park liegt im Bereich des Kalahari-Sandsees, die berühmte orange-rote Farbe des Dünensandes ist deutlich sichtbar. Die Längsdünen, die durch die Vegetation im Laufe der Zeit so verfestigt wurden, dass sie nun keine Wanderdünen mehr sind, ziehen von Ost nach West, aber wir sehen keine hohen Dünen, wie im Süden bei Sossousvlei.

Nach etwa einer Stunde Fahrt durch eine wunderbare Landschaft zeigt sich, was ein bisschen Regen ausmachen kann! Der Norden Namibias hat ja schon etwas Regen bekommen, alles ist grün hier. Nach dem völlig ausgetrockneten Süden mit den vielen verhungerten und verdursteten Tieren Balsam für die Seele!

Wir wollen uns das „Living Museum“ der San (ehemals Buschmänner genannt) ansehen (https://www.lcfn.info/juhoansi/home). Dazu müssen wir den Veterinärzaun überqueren. Er durchzieht den gesamte Norden Namibias und verhindert, dass die Maul-und Klauenseuche aus dem Norden in das bakterienfreie Gebiet im Süden gelangen kann. Wir werden von den Kontrolleuren sehr freundlich begrüßt und kurz nach dem Zaun geht es schon links ab zum Museum.

Der Abzweig ist gut ausgeschildert

Die Sandpiste ist leicht zu fahren – Kalahari Dünensand

Im Ju/‘Hoansi-San Living Museum wird die traditionelle Kultur der San präsentiert. Es war das erste „Living Museum“ in Namibia und hilft nicht nur, die Kultur und Tradition der San zu bewahren, sondern ist auch ein gutes Beispiel für ein nachhaltiges Entwicklungsprojekt. Es wurde von Werner Pfeifer, einem namibischen Touristenführer und dem Lehrer Ghau N!aici von Grashoek 2004 ins Leben gerufen und die San haben sehr schnell das Museum in Eigenregie übernommen und können heute davon leben und eine Schule für ihre Kinder mitfinanzieren. Dies wird möglich durch die Einnahmen der Museumsvorführungen sowie die Verkäufe aus dem Souvenirladen. Etwa 75 Teilnehmer aus Grashoek profitieren heute von diesem Museum und hat in einer Gegend ohne nennenswerte Einnahmemöglichkeiten dazu beigetragen, dass die Bewohner von Grashoek ihre Lebensbedingungen selbständig sehr verbessern konnten, und gleichzeitig die Möglichkeit haben, ihre Kultur vor dem Aussterben zu bewahren.

 

Wir werden von einem freundlichen Führer begrüßt, der uns das Programm vorstellt, aus dem wir wählen können, welche Aktivitäten wir mitmachen wollen.

Zum Identifizieren für alle Koleopterologen in Nahaufnahme…

Riesenkäfer – Größenvergleich…

Wir entscheiden uns für die 3-Stunden Aktivität. Während unser Führer uns noch alles erklärt, setzt sich eine größere Gruppe an Personen, hauptsächlich Frauen, in Gang, und unser Führer steigt bei uns mit ins Auto und wir fahren zum Campingplatz, wo es auch einen sehr schönen Souvenirladen gibt.

Wir werden freundlich gebeten, kurz zu warten, unser Führer muss sich noch umziehen. Auf dem rötlichen Kalaharisand werden wir zwischenzeitlich von einem Riesenkäfer „angegriffen“, und nach und nach kommen immer mehr Menschen, um uns die Kultur der San näher zu bringen.

Das „Lebende Museum“ besteht aus mehreren „Nomadenhütten“ im traditionellen San Stil, aber das Open-Air Museum liegt um dieses Hüttenzentrum herum und der Bushman Walk bietet einen tollen Einblick in den ursprünglichen Lebensstil der San. In ihrer traditionellen Kleidung erleben wir diese alte, fast vergessene Kultur einer Jäger-Sammler Gemeinde so authentisch wie möglich.

 

 

Erst einmal muss ein Feuer entfacht werden – nur durch Reibungsenergie, was ganz schön schweißtreibend ist!

 

Wir beginnen mit dem wichtigsten Werkzeug – der Axt. Wie das Video eindrucksvoll zeigt, ist dieses Werkzeug wesentlich vielseitiger als gedacht! Es hat eine männliche und eine weibliche Komponente und kann sogar zum Rauchen verwendet werden!

Wir laufen los und suchen einen Baum mit Aushöhlung. In der Regenzeit füllen sich diese Aussparungen mit Wasser. Jeder San hat ein paar hohle Grashalme im Gepäck, und damit kann er dann ganz bequem sauberes Wasser aus dem Baum trinken, sofern es vor kurzem geregnet hat. Allerdings ist es von entscheidender Wichtigkeit, den Baum zunächst abzuklopfen – Schlangen sind auf Wasser angewiesen und teilen nicht gern!

Gepäck bezieht sich in diesem Fall auf den Köcher, den ein San, zusammen mit seinem Bogen, immer dabeihat. Hier sind nicht nur Pfeile zu finden, sondern auch besagte „Strohhalme“. In der Trockenzeit wäre auch Wasser dabei, wenn ein San weiß, dass auf seinem Weg keine Pflanzen zu finden sind, deren Wurzeln er Wasser entnehmen kann. Manchmal hat er sich auch ein Wasserreservoir angelegt, in Form von mit Wasser gefüllten Straußeneiern, die versiegelt und vergraben werden.

Eine natürliche Schutzhöhle

 

Die San suchen sich Schutzbäume, in denen sie sich vor dem Regen schützen können, oder der Kälte – es wird in solchen Baumlöchern auch übernachtet.

Das Pfeilgift der San wird aus Larven von bestimmten Käferarten gewonnen. Diese Käfer leben auf Balsambaumgewächsen (Commiphora) und dem Marulabaum (Sclerocarya) und sind pflanzenfressende Blattkäfer sowie fleischfressende Laufkäfer, die als Schmarotzer auf den Blattkäfern leben. Diese speziellen Blätter, die die Käfer fressen, sind für sich allein ganz harmlos, aber die anschließend schlüpfende Larve ist es dann gar nicht mehr… sie wird zermahlen und aus dieser „Flüssigkeit“ entsteht dann das Gift. Dieses ist ein Diamphidiatoxin, und absolut tödlich. Es wirkt vor allem auf die roten Blutzellen und führt zu einer extrem schnellen und massiven Hämolyse (die roten Blutkörperchen oder Erythrozyten, verantwortlich für den Sauerstofftransport, werden aufgelöst).

Wir lernen, dass die Wurzeln des Kamferbaumes (Cinnamomum camphora, ein immergrüner Baum aus der Familie der Lorbeergewächse) gut gegen Durchfall und Magenkrämpfe helfen. Ganz ohne die chemische Analyse wissen die San das seit vielen hundert Jahren… Die ätherischen Öle sind auch gut bei Gelenkschmerzen und Rheuma (durchblutungsfördernd und entzündungshemmend) und sie beruhigen die Babys…

 

Ein biegsamer Zweig und eine Schlinge…

Dann den Auslöser am Boden anbringen…

 

 

Wir lernen auch, wie man kleinere Vögel fangen kann. Die Vögel werden von Samenkörnern oder auch kleinen Knochen angelockt, die ausgelegt werden. Dann wird eine Schnur mit Schlinge an einem biegsamen Zweig eines Busches befestigt. Im oberen Teil der Schnur wird ein kleines Stück Holz angebracht, es fungiert als eine Art Auslöser und wird unter einem größeren Stück Holz befestigt – der Zweig steht nun unter Spannung. Vorsicht beim Nachbau: den Kopf immer schön zur Seite halten, falls sich das Ganze löst, das kann ganz schön weh tun, denn es soll schließlich dem Vogel sehr schnell und gründlich das Genick brechen…

 

 

EInen Kreis auslegen…

Die Axt symbolisiert den Vogelkopf beim Futtersammeln…

Abendessen gesichert…

 

Die Schlinge wird nun in einem Kreis ausgelegt und mit kleinen Zweigen festgesteckt, damit der Vogel nicht den Kopf darunter schieben kann, um an das Futter zu kommen. Sobald er in den Kreis tritt, um Futter zu sammeln, löst er die Schlinge, der Zweig schnellt nach oben, die Schlinge zieht sich zu und es gibt abends Geflügel auf der Buschmann Speisekarte.

 

Nach dem “Lehrpfad” geht es für Peter ans Praktische – als Jäger fertigt er (mit viel Hilfe) seinen eigenen Bogen an! Die Pfeile bekommt er von seinem Lehrmeister geschenkt und auch den Bogen darf er behalten.

Für Dorli ging es ans Schmuck herstellen. Eine wunderbare Frau zeigte ihr, wie man aus Straußeneierschalen den traditionellen Schmuck der San herstellt. Noch ein paar getrocknete Pflanzensamen und schon ist es fertig, das Armband. Dazu kam dann als Geschenk noch eine schöne Kette.